Object - Datensatz
 
Medien
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Identifikator
111012295
Inventarnummer
TRA-07-03-021
Datensatzart
OBJECT
Standort
B15,c03
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Titel
Stundenpass Pöltschach - Agram
Ebene
ITEM
Beschreibung
Tabellarischer Formular-Vordruck der Oberpostdirektion Graz mit der aufgedruckten Nummer 261 und handschriftlichen Eintragungen für eine Reitpost von Pöltschach in der Steiermark nach Agram im damaligen Slavonien (heute Kroatien). Dem Ausgangsort Pöltschach folgen die Stationen Sauerbrunn und Rohitsch in der Südsteiermark, dann in Slavonien Krapina - Oroslawje - Bistra und zuletzt der Zielort Agram. Die Beförderung über die Strecke von rund 100 Kilometer ist gedruckterweise genauestens geregelt. Auf der ersten Seite wird anhand einer Liste von Ortsnamen um Pöltschach vermerkt, wieviele Briefpakete im Felleisen des Reitboten woher und wohin gehen, und werdem das Gewicht und die Kennziffer des Felleisens notiert. Der Formularvordruck auf den folgenden zwei Innenseiten reguliert die Beförderung zwischen Pöltschach und Agram nicht nur für die Reitpost, sondern auch für die Kutschenpost. Zu jeder Station gibt es in eigenes mehrfach unterteiltes Feld, das Auskunft gibt über die Intervallistanz ("Posten"), Ankunftszeit und Abfertigung durch namentlich welchen Postillion und Umfang des beförderten Postguts. Zusätzlich wird zwischen "Expeditionszeit" und "Beförderungszeit" unterschieden. Nach den vorgedruckten Zeiten zu urteilen, meinte "Expedition" den berittenen Brieftransport, "Beförderung" den Passagiertransport in Kutschen, und beide Begriffe die Aufenthaltsdauer in den jeweiligen Stationen. Wo ein Reiter nur 15 Minuten zum Austausch der Briefpakete und des Pferdes brauchen darf, werden für Pferdewechsel, Austausch allfälliger Briefpakete, Rast der Passagiere und Aufnahme neuer Reisender schon zwei bis drei Stunden zugebilligt. Eine eigene Rubrik hält Verspätungen "auf der Station" und "auf der Straße" in Stunden fest. In Summe sollte die berittene Post vorschriftsmäßig doppelt so rasch wie eine Postkutsche unterwegs sein. Waren Kutschenreisende über die 100 Kilometer mit langen Rastpausen rund 12 Stunden unterwegs, durften berittenen Boten für dieselbe Strecke nur rund 6 Stunden brauchen. Die zeitlich strikt kalkulierte Soll-Performanz hängt vermutlich mit der seit Ende der 1840er Jahre in Betrieb stehenden Strecke der staatlichen Südbahn von Wien über Graz nach Laibach zusammen (die Reststrecke bis Triest wird 1857 eröffnet). Pöltschach als Eisenbahnstation war wichtig genug, dort auf staatliche Kosten ein "k.k. Aerarial-Postamt" zu etablieren und im Bahnhof eine eigene Stelle für das mit der Bahn einlaufende Postgut einzurichten; so geschehen im Frühjahr 1850. Ebenfalls im Frühjahr desselben Jahres, in Abstimmung auf die Ankunftszeiten der "Post- und Personentrains" aus Wien und Graz, wurde der auf dem Stundenpass abgebildete Postkurs mit zweimaliger Kutschenfahrt zwischen Pöltschach und Agram eröffnet. Reisende sollten die Strecke in nur 12 statt wie bisher 15 Stunden zurücklegen. Da an der Strecke die Kurorte Sauerbrunn und Krapina lagen, wurde wohl mit entsprechender Auslastung des Kurses sommersüber gerechnet. Was ideal gedacht in Form von Vorschriften abgedruckt wird, ist in der Wirklichkeit nicht immer einzuhalten. Laut Stundenpass wurde die Post im Ausgangsort am 12. November 1850 um "2 Uhr" - 14 Uhr - mit 26 Briefpaketen im Gewicht von 26 Pfund abgefertigt. Auf der vorletzten Etappe von Bistra nach Agram, umgerechnet rund 23 Kilometer lang, kommt es zu Verzögerungen. die sich bis Agram auf nicht weniger als vier Stunden Verspätung summieren. Dort traf die Reitpost am 13. 11. um 8:30 morgens ein. Während offenbar der Postillion von Bistra als Grund für das langsame Vorwärtskommen die "schlechte Strasse und stockfinstre Nacht" anführt, sieht man es in Agram anders: "Retourpferd um 8 1/2 Uhr früh angekommen, das Pferd befand sich in solchen geschwächten Zustand, daß dasselbe vor dem Postgebäude während der Uebergabe des Fellleisens bald zussammen gestürzt wäre. in unserer Gegenwart (Unterschrift)" Das kostet dem Postamt in Bistra viel Geld: "Postamt Bistra gestraft mit Decret d(a)to 13/11 Z 4576. Für 4 St(unden) Verspätung - 4 fl (Gulden). Für die vorschriftswidrig aufgedrungene Beförderung der Post mittels untauglichen Retourpferde - 20 fl (Gulden)." Bistra mußte 24 Gulden Strafe zahlen.
Objektbezeichnung
Akteur
Maße
Höhe: 24.0cm
Breite: 19.5cm
Permanente URL
https://data.tmw.at/object/111012295
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TURTLE