Object - Datensatz
 
Medien
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Identifikator
138746
Inventarnummer
1404/1
Datensatzart
OBJECT
Standort
E4,4.24
4606.81518666.561499.844true
Sammlungsgruppe
Titel
Siegfried Marcus Wagen
Beschreibung
Der Siegfried Marcus Wagen ist ein vierrädriger Wagen mit einem eisenverstärktem Rahmen aus Eichenholz. Die Lenkung der Vorderräder erfolgt über ein Drehgestell mit Schneckenübertragung auf die hoch emporragende Lenksäule. Rechts neben der Lenksäule befindet sich ein Rädchen zur Gasregulierung (entsprechend dem heutigen Gaspedal). Auf der linken Seite hinter der Vorderbank befindet sich ein Hebel zum Einlegen des Ganges. Gebremst wird das Fahrzeug mit Klotzbremsen auf die Hinterachse. Der Motor, ein einzylindriger 1,5-Liter-Viertakt-Benzinmotor, liegt in der Wagenmitte. Die Hinterbank ist auf den Rahmen des Fahrzeugs montiert, die Antriebstechnik in der Mitte des Fahrzeugs ist unverkleidet. Unter der hinteren Sitzbank befindet sich ein Wasserbasin für die Wasserkühlung des Motors. Das Fahrzeug hat ein Gewicht von 756 kg. Nach Angaben der Herstellerfirma, der mährischen Firma Märky, Bromovsky & Schulz in Adamov u Brna (Adamsthal), lag die Leistung des Motors "bei 300 Umdrehung pr. Minute cca. 1 Pferdekraft". Messungen von 1950 ergaben eine Leistung von 0,75 PS. Bei einer erneuten Untersuchung 1987 schließlich wurde errechnet, dass der Motor bis zu 0,9 PS erreichen konnte. Die Zündung des Motors erfolgt mit Hilfe einer magnetelektrischen Niederspannungs-Abreißzündung, die von Siegfried Marcus entwickelt wurde. Auch die Idee des Spritzbürstenvergasers stammt von Siegfried Marcus: Im Kraftstoffgefäß rotiert ein Rad mit Bürsten, die an einem Abstreifer vorbeigeführt werden und so Kraftstofftropfen in das Ansaugrohr des Motors schleudern. Die Kraftübertragung auf das Hinterrad erfolgt mit Hilfe von Riemen. Auf einer ebenen, befestigten Fahrbahn erreichte der Siegfried-Marcus-Wagen Geschwindigkeiten von 5 bis 8 km/h. Einer größeren Öffentlichkeit wurde der Siegfried Marcus Wagen erstmals 1898 anlässlich der "Collectiv-Ausstellung der Automobilebauer Oesterreichs" während der Jubiläums-Gewerbeausstellung zum 50. Jahrestag der Thronbesteigung Kaiser Franz Josephs in der Wiener Rotunde präsentiert. Die damalige Beschriftungstafel erklärte zum Fahrzeug: "BENZIN AUTOMOBIL Siegfried MARCUS / CONSTRUIRT 1877 in Wien / (10 Jahre vor den ersten Französischen / & Deutschen Benzin Automobilen"). Im Beiheft zur Ausstellung wurde das Fahrzeug auf 1875 datiert. Der Motor des Marcuswagen war aber erwiesenermaßen erst 1888/1889 von Märky, Bromovsky & Schulz produziert und ausgeliefert worden (Brief der Firma von 1901 im TMW Archiv). Über die korrekte Datierung des Fahrzeugs entbrannte ein jahrzehntelanger, heftiger Streit. Insbesondere die Nationalsozialistschen bekämpften das vermeintlich erste Automobil der Welt vehement, da Siegfried Marcus aus einer jüdischen Familie stammte. Während der NS-Zeit wurde des Siegfried-Marcus-Wagen, der sich seit 1915 als Leihgabe des Österreichischen Automobil-Clubs im Museum befand, aus der Ausstellung entfernt und stattdessen eine Replika des 1886 erbauten Benz-Dreirads (Inv. Nr. 16756) gezeigt. Vor diesem Hintergrund kam es in der Nachkriegszeit zu einer Prioritätendiskussion, bei der sich die Protagonisten wechselseitig Antisemitismus, deutsche Großmachtssucht, Vereinnahmung des im mecklenburgischen Malchin geborenen Siegfried Marcus als österreichischen Erfinder, Hagiographie und wissenschaftliche Unseriösität vorwarfen. Der Blick auf das eigentliche Objekt ging in diesem Tumulten fast verloren. Unbestritten ist jedoch, dass der Siegfried Marcus Wagen eine ganz eigene, originelle Lösung aus der Frühzeit der Automobile darstellt, wie ein selbstfahrendes Fahrzeug funktionieren kann.
Objektbezeichnung
Maße
Breite: 158.0cm
Länge: 293.0cm
Höhe: 155.0cm
Masse: 750.0kg
Permanente URL
https://data.tmw.at/object/138746
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TURTLE