Object - Datensatz
 
Medien
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Identifikator
137308
Inventarnummer
479
Datensatzart
OBJECT
Standort
E4,5.24
234.591319509.38363796.652false
Sammlungsgruppe
Titel
Kleinwagen der Brüder Gräf (Gräf Front)
Beschreibung
Dieser erste "Gräf-Wagen" ist mit einem einzylindrigen, wassergekühlten Viertaktmotor der französischen Motorenhersteller De Dion-Bouton ausgestattet. Der Zylinder hat eine Bohrung von 80mm mit einem Kolbenhub von 80mm, so dass der Motor insgesamt also über 402 ccm verfügt. Bei 1500 Umdrehungen pro Minute entwickelte der Motor ca. 3 bis 3 1/2 PS (2,57 KW). Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs wurde mit 35 km/h angegeben. Der Dion-Bouton Motor hat ein automatisches Einlassventil, das sich durch den Unterdruck beim Ansaugen öffnet. Das Auslassventil wird über eine Nocke gesteuert. Er wird mit einem sogenannten Schlangenrohrkühler gekühlt, durch den von einer Zahnradpumpe angetrieben ca. 20 Liter Wasser zirkulieren. Gestartet wird der Motor mit Hilfe einer Batteriezündung. Der Spritzvergaser "Longmare" arbeitet mit einer Drosselklappe und Schwimmer. Der Rahmen aus Stahlrohren und die Drahtspeichenräder sind Anleihen aus dem Fahrradbau. Die Halbelliptik-Blattfedern bei den Vorder- und Hinterrädern an den starren Achsen sind Anleihen aus dem Kutschenbau. Die Lenkung erfolgt mittels Schnecke und einer durchgehenden Spurstange. Am Lenkrad befinden sich auch der Gas- und Zündhebel. An der Spritzwand des Fahrzeugs befindet sich der Brennstoffbehälter für ca. 14 Liter und die von Hand verstellbare Luftregulierung. Mit zwei verschiedenen Fußbremsen, die eine wirkt direkt auf die Hinterräder, die andere auf das Differential, konnte der Wagen gebremst werden. Die Besonderheit dieses Fahrzeugs waren der Vorderradantrieb und die Vorderradlenkung. Bei diesem Kleinwagen der Brüder Gräf geht die Kraftübertragung vom Motor über eine Konuskupplung und ein Dreiganggetriebe zum Differential und von dort über Kardangelenke in den Achsschenkeln zu den gelenkten Vorderrädern. Für diese "Antriebsvorrichtung für die Lenkräder von Automobilen" erhielt Carl Gräf am 30. November 1900 das Patent Nr. 3183. In der Literatur ist dieser Kleinwagen, der ein Einzelexemplar blieb, daher auch als "Gräf Front" bekannt. Üblicherweise verteilte man damals den Antrieb auf die Hinterachse und die Lenkung auf die Vorderräder. Der Antrieb über die Vorderachse entsprach jedoch mehr den Mobilitätserfahrungen der damaligen Zeit auf der Straße und in der Eisenbahn: Die Pferde zogen die Kutsche von vorne, ebenso wie d.er Zug die Waggons zog. Das Schieben der Kraft von hinten galt als ungewohnt und unschön, obwohl es beim Radfahren mit der Kettenübertragung auf das Hinterrad ebenfalls üblich war. Bei elektrischen Fahrzeugen gab es auch die umgekehrte Verteilung mit Vorderradantrieb und Hinterradlenkung. Die Lenkung von hinten war wiederum vom Segelboot bekannt, aber bedurfte auf der Straße auch der Gewohnheit. Der Kleinwagen der Brüder Graf reagierte auf diese Fahrgewohnheiten und kombinierte Lenkung und Antrieb an den Vorderrädern. Ein großer Serienerfolg war ihm indes nicht beschieden.
Objektbezeichnung
Maße
Länge: 242.0cm
Breite: 135.0cm
Höhe: 122.0cm
Permanente URL
https://data.tmw.at/object/137308
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TURTLE