Thesaurus - Datensatz
 
Begriff
Kolonialismus
Permanente URL
https://data.tmw.at/thesaurus/30054
SKOS
Begriffsbeschreibung
Kolonialismus bezeichnet ein komplexes und historisch vielschichtiges Herrschaftsverhältnis, bei dem eine Gesellschaft durch Expansion fremde Territorien besetzt, deren Bevölkerungen systematisch verdrängt, wirtschaftlich ausgebeutet und/oder politisch sowie kulturell unterdrückt werden. Diese Form der Fremdherrschaft basiert auf physischer, militärischer und ideologischer Gewalt und wird durch die kontinuierliche Androhung oder Ausübung von Zwang aufrechterhalten. Zentrale Bereiche der Landesverwaltung werden durch eine kulturell fremde Minderheit im Interesse der kolonialen Macht kontrolliert – legitimiert durch die Ideologie einer angenommenen kulturellen und biologischen Überlegenheit. Eine einheitliche Definition ist aufgrund der unterschiedlichen historischen Erscheinungsformen und globalen Dimensionen des Kolonialismus kaum möglich. Europäische Kolonialmächte kontrollierten zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert zeitweise über drei Viertel der Erde. Ein zeitgemäßes Verständnis von Kolonialismus reicht über die formale Herrschaft europäischer Mächte hinaus und umfasst eine weiter gefasste Betrachtung des Kolonialisierungsprozesses. Kolonialismus bezeichnet demnach ein vielschichtiges und langfristiges System, das gesellschaftliche, politische und ökonomische Strukturen schwächt und destabilisiert und dadurch die tiefgreifende Umgestaltung und Unterordnung ganzer Gesellschaften bewirkt. Er beruht zudem auf ideologischen und kulturellen Grundlagen sowie Wissensordnungen, die die europäische Herrschaftspraxis legitimieren und absichern.
Identifikator
30054
Status
Deskriptor
Type
SUBJECT