Thesaurus - Datensatz
 
Begriff
Kammspielwerk
Permanente URL
https://data.tmw.at/thesaurus/38168
SKOS - TURTLE
Begriffsbeschreibung
Musikinstrument mit Tonerzeugung durch gezupfte Metalllamellen. Ende des 18. Jh.s wurde vom Uhrmacher Antoine Favre das Prinzip des Anzupfens von gestimmten Stahllamellen unter dem Titel eines carillon sans timbres der Genfer Société des Arts vorgestellt, ein Spielwerk, das sich auf Grund seiner Miniaturisierung gut für den Einbau in Schmuckstücke, Tabatieren, Taschenuhren und dgl. Luxusgüter eignete. Etwa ab 1815 wurden auch größere Spielwerke gebaut und die Schweiz etablierte sich in kurzer Zeit als das Land der Spieldosenerzeugung schlechthin. Eine ernstzunehmende Konkurrenz erwuchs den Schweizer Herstellern nur in der Firma L’Epée in Frankreich und in der Produktion von Kammspielwerken in Wien und Prag. Der Stimmenkamm (auch Tonkamm, Kammzungen) ist der einzige speziell für mechanische Instrumente konstruierte Klangkörper. Aus einer Stahlplatte herausgeschnittene schwingende Zungen unterschiedlicher Länge und Masse werden durch Anreißen zum Klingen gebracht. Fand dieser Kamm bereits im 18. Jhdt. in Schweizer Walzenspieldosen vielfache Anwendung, so wurde er in Leipzig erstmals mit runden Lochplatten kombiniert. Mit ihr werden drehbare Zahnräder (Sternenrädchen) in Bewegung gesetzt, die wiederum die Kammzungen anreißen und zum Klingen bringen. Für die Lochplatten, die es in Durchmesser zwischen 11 und 85 cm gab, sollte sich Stahl am besten bewähren. Diese Art von mechanischen Spielwerken wurde in Leipzig durch Paul Lochmann erfunden und hatte hier ihren maßgeblichen Produktions-Standort. Mit der Erfindung des Sternenrädchens (Patent nur in Großbritannien Nr. 11261 vom 22.9.1885) gelang Paul Lochmann die zweckmäßige Verbindung von Lochplatte und Stimmenkamm. Mit seiner Fabrik Lochmannscher Musikwerke hatte er sodann ein Unternehmen gegründet, das schon 1893 mit 600 Arbeitern massenhaft Automaten der Marke „Symphonion“ produzierte. Weitere Markennamen unterschiedlicher Hersteller sind "Polyphon", "Monopol", "Kalliope", "Orphenion" oder "Phänomenal". In Leipzig wurden außerdem Stimmenkamm-Musikwerke mit Faltkarton für eine weitaus längere Spieldauer gefertigt.
Identifikator
38168
Status
Deskriptor
Type
OBJECT
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