Thesaurus - Datensatz
 
Begriff
Celluloid
Permanente URL
https://data.tmw.at/thesaurus/44636
SKOS - TURTLE
Begriffsbeschreibung
Charakterisierung: Celluloid bezeichnet ein Gemisch aus etwa 10 Teilen Celluloseacetat und etwa 4 Teilen Campher als Weichmacher. Celluloid war ursprünglich ein von John W. Hyatt (USA) 1869 geprägter Warenname, wurde aber bald zur allgemeinen Bezeichnung derartiger Kunststoffe. In Deutschland wurde auch die Bezeichnung „Zellhorn“ verwendet. Geschichte: Der Vorläufer von Celluloid, der ebenfalls auf Celluloseacetat mit Weichmachern basierende Kunststoff „Parkesine“ wurde 1865 von Parkes (England) hergestellt. (3) Das erste Verfahren, Celluloid technisch herzustellen, stellte John W. Hyatt (USA) 1869 vor, man hatte nach einem Werkstoff zur Herstellung von Billardkugeln gesucht (1). „Sein Hauptnachteil, die leichte Entflammbarkeit, war ein sehr wesentlicher Anstoß zur Entwicklung der modernen Thermoplaste“ (2) Eigenschaften: Ungefärbt ist Celluloid gelblich transparent, es kann jedoch sehr gut beliebig eingefärbt werden. Entsprechend kann es transparent, milchig oder opak in beliebigen Farben auftreten. Charakteristisch sind auch mehrfarbige Muster (Streifen, Marmorierungen, graphische Muster, Elfenbeinimitat, Moiré-Effekte,…). Zur Erzielung von Mustern werden einfarbige Platten, Stücke, Streifen etc. miteinander verschweißt und die so entstandenen Blöcke anschließend zu Folien oder Platten geschnitten. Celluloid ist stark brennbar. Alterung: Der photooxidative Alterungsprozess kann, einmal in Gang gesetzt, autokatalytische Züge annehmen, also auch ohne weiteren Einfluss von Licht und Sauerstoff fortschreiten. Charakteristisch ist die Ausbildung von feinen Rissen im Inneren des Materials, die sich allmählich ausbreiten und schließlich zur kompletten Zersetzung des Kunststoffes führen. Die Lagerung soll nicht in geschlossenen Behältnissen, sondern belüftet, und nicht in direkter Umgebung zu anderen Materialien erfolgen. Verwendung: Anfangs wurde Celluloid für Zahnersatz (der erste, der naturgetreu eingefärbt werden konnte, und eine Farbstabilität aufwies), Kämme und Schmuckgegenstände, bald auch für Krägen, besonders in England für Messergriffe verwendet. Ein wichtiges Einsatzgebiet war außerdem der Celluloidfilm. Er wurde aufgrund seiner Brennbarkeit aber schon 1920 durch den Celluloseacetatfilm ersetzt. (4) 1969: „Cellulid wird auch heute noch für die Herstellung von Bällen, Kämmen, Sonnenbrillengestellen, Haarschmuck, Toilettenartikeln, Spangen, Schirmgriffen und Zeichenbedarf verwendet“ (1) 1981: „[…]. C. ist zwar der älteste Thermoplast, seine Bedeutung ist aber, besonders wegen seiner leichten Entflammbarkeit, sehr erheblich zurückgegangen. Es wird nur noch auf wenigen Gebieten, z.B. zur Herstellung von Tischtennisbällen und Kämmen, verwendet, auf denen es noch nicht von anderen Thermoplasten ersetzt werden konnte.“ (2) Zu der Verwendung für Tischtennisbälle gibt es heute (2016) noch wenige andere Einsatzbereiche. Beispielsweise wird Celluloid noch teilweise für Intarsien und Tastenbeläge von Akkordeons verwendet. (1) Domininghaus, Hans, Kunststoffe I. Aufbau und Eigenschafften – Kunststoffsorten – Anwendungen, Düsseldorf 1969, S. 55 (2) Stoeckhert, Klaus (Hg.), Kunststoff-Lexikon, München 1981, S. 364 f. (3) Sommerfeld, Arthur, Plastische Massen, Berlin 1934. S. 87 f. (4) Waentig, Friederike, Kunststoffe in der Kunst, Petersberg 2004, S. 203-207
Identifikator
44636
Status
Deskriptor
Type
ASPECT
verlinkte Objekte