Thesaurus - Datensatz
 
Begriff
Subalternität
Permanente URL
https://data.tmw.at/thesaurus/67508
SKOS
Begriffsbeschreibung
In kolonialen Kontexten bezeichnet der Begriff Subalternität gesellschaftliche Gruppen, die durch koloniale Machtstrukturen systematisch unterdrückt, ausgegrenzt und marginalisiert wurden. Aufgrund sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Ausgrenzung hatten diese Gruppen nur eingeschränkten Zugang zu Mitbestimmung und öffentlichem Diskurs. Dazu zählten beispielsweise indigene Bevölkerungsgruppen, kolonialisierte Frauen und andere marginalisierte Gemeinschaften, deren Perspektiven im Diskurs der Kolonialmächte unterdrückt oder vereinnahmt wurden. Der Begriff „subaltern“ wurde erstmals vom marxistischen Philosophen Antonio Gramsci (1891–1937) verwendet, um Gruppen wie Arbeiter:innen und Bäuer:innen zu beschreiben, denen aufgrund hegemonialer Machtverhältnisse der Zugang zu politischer und gesellschaftlicher Teilhabe verwehrt war. Gramscis Konzept bildet eine zentrale Grundlage für die postkoloniale Theorie. Gayatri Chakravorty Spivak (geb. 1942) überträgt diesen Begriff auf den postkolonialen Kontext und betont, dass „Subalterne“ nicht nur materiell, sondern vor allem diskursiv ausgeschlossen sind. Unter kolonialer Herrschaft können „Subalterne“ kaum selbst sprechen, da ihre Stimmen übergangen oder verzerrt repräsentiert werden. Spivak hebt zudem die „doppelte Subalternität“ von kolonialisierten Frauen hervor, die sowohl durch patriarchale Strukturen als auch durch die Kolonialmacht marginalisiert sind.
Identifikator
67508
Status
Deskriptor
Type
SUBJECT