Thesaurus - Datensatz
 
Begriff
koloniale Fotografie
Permanente URL
https://data.tmw.at/thesaurus/68066
SKOS
Begriffsbeschreibung
Fotografien aus kolonialen Kontexten entstanden unter asymmetrischen Machtverhältnissen und zeigen Menschen, Orte oder Gegenstände nicht objektiv oder neutral, sondern schreiben diesen Eigenschaften und Bedeutungen zu, die der Perspektive der Kolonisator:innen entsprechen. Kolonisierte Menschen wurden oftmals zum Posieren vor der Kamera gezwungen, konnten selbst also nicht darüber entscheiden, ob oder wie sie dargestellt wurden. Die Fotografien dienten auch dazu, die vermeintliche Überlegenheit und „zivilisatorische Mission“ der Kolonisator:innen zu rechtfertigen. Aufnahmen extremer Notlagen – etwa Bilder von Hungersnöten oder von Menschen in (für ein westliches Verständnis) entwürdigenden Situationen – wurden gezielt eingesetzt, um die koloniale Herrschaft zu legitimieren und sie sogar als notwendig darzustellen. Kolonisator:innen nutzten Fotografie außerdem, um nicht-westliche Gesellschaften systematisch zu erfassen und rassistisch zu klassifizieren – legitimiert durch den Anspruch wissenschaftlicher Objektivität. Dies diente dazu, Wissen über die beherrschte Bevölkerung zu erlangen und damit Macht auszuüben. Menschen und ihre Lebensweisen wurden vor dem Hintergrund von westlicher Rassenideologie, als „anders“ gegenüber dem Westen bzw. Europa positioniert, gezielt inszeniert und – noch wichtiger – dadurch in ahistorische, unveränderliche Kategorien festgeschrieben. Diese Bilder prägten und verstärkten stereotype Vorstellungen von fremden Gesellschaften im Westen. Heute werden Fotografien aus kolonialen Kontexten hinsichtlich ihrer Entstehung und Verbreitung untersucht, um sie als Quellen für dekoloniale Neuinterpretationen heranzuziehen und die Handlungsräume kolonialisierter Menschen aufzuzeigen.
Identifikator
68066
Status
Deskriptor
Type
SUBJECT