Begriffsbeschreibung
Umweltrassismus bezeichnet die systematische Benachteiligung rassistisch diskriminierter oder anderer marginalisierter Bevölkerungsgruppen, die überproportional Umwelt- und Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind und von umweltrelevanten Entscheidungsprozessen häufig ausgeschlossen bleiben. Der Begriff wurde 1982 von Benjamin Chavis im Zusammenhang mit den Protesten gegen eine geplante Sondermülldeponie in Warren County (North Carolina, USA) geprägt. Breite Aufmerksamkeit erhielt er durch den Report Toxic Wastes and Race in the United States (1987) der United Church of Christ, an dem Chavis maßgeblich beteiligt war. Dieser belegte erstmals landesweit empirisch, dass race der wichtigste Faktor für die Standortwahl gefährlicher Abfalldeponien in den USA war (noch vor Einkommen oder anderen sozioökonomischen Kriterien). Besonders der US-Soziologe Robert D. Bullard trug ab den 1990er-Jahren dazu bei, den Umweltrassismus als Forschungsfeld zu etablieren. Er belegte anhand zahlreicher Fallstudien, dass staatliche Maßnahmen, behördliche Verfahren und unternehmerische Entscheidungen überproportional Communities of Color belasten und ihnen zugleich systematisch Mitsprachemöglichkeiten verwehren.