Thesaurus - Datensatz
 
Konzentrationslager (kolonialer Kontext)
Begriff
Konzentrationslager (kolonialer Kontext)
Permanente URL
https://data.tmw.at/thesaurus/68293
SKOS
Begriffsbeschreibung
In kolonialen Kontexten bezeichnet der Begriff „Konzentrationslager“ Internierungs- und Sammellager, in denen zivile Bevölkerungsgruppen, vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen, unter meist menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten wurden. Diese Lager dienten primär der Kontrolle, Unterdrückung und Disziplinierung der kolonisierten Bevölkerung und wurden als militärische und politische Herrschaftsinstrumente eingesetzt. Zur Durchsetzung des Indian Removal Acts in den USA wurden ab 1838 indigene Menschen zwangsumgesiedelt und in Lagern festgehalten. Im kubanischen Unabhängigkeitskampf gegen Spanien (1868–1898) mussten sich Zivilist:innen in sog. campos de reconcentración aufhalten. Die britische Einführung von „concentration camps“ im Zweiten Burenkrieg (1899–1902) wird oft als prototypisches Beispiel für koloniale Konzentrationslager betrachtet, aus denen das nationale und internationale Verständnis dieses Lagersystems erwuchs. Im Deutschen Reich verwendete Reichskanzler Berhard von Bülow den Begriff „Konzentrationslager“ offiziell erstmals 1904 im Zusammenhang mit der Internierung gefangen genommener Herero. In Deutsch-Südwestafrika gab es neben Lagern der Kolonialadministration auch privat geführte Konzentrationslager von Firmen, darunter die Woermann Linie und die Otavi Minen und Eisenbahn Gesellschaft (OMEG). Im englischsprachigen Diskurs zu den Konzentrationslagern im kolonialen Namibia besteht die These einer Kontinuität zwischen diesen und des späteren nationalsozialistischen Gefangenenlagersystems während des Holocausts. Im deutschsprachigen Diskurs hingegen wird diese These nicht von allen Wissenschaftler:innen vertreten.
Identifikator
68293
Status
Deskriptor
Type
SUBJECT