Begriffsbeschreibung
Zur historischen Einordnung der Dokumente österreichischer Ingenieure in Ägypten um 1850 ist ein kurzer Hinweis auf die Geschichte der Versklavung in Ägypten sowohl in der Antike als auch im 19. Jahrhundert notwendig. Die westliche Vorstellung Ägyptens als „Haus der Sklaverei“ geht unter anderem auf die biblische Formulierung in Exodus 20,2 zurück, die das antike Ägypten als Ort der Unfreiheit beschreibt. Ägyptologische Forschungen zeigen jedoch, dass Formen unfreier Arbeit im alten Ägypten anders strukturiert waren als die späteren, im westlich-kolonialen Kontext ab dem 16. Jahrhundert entwickelten und rechtlich normierten Systeme der Versklavung und nicht ohne Weiteres mit diesen gleichgesetzt werden können. Personen, die in Ägypten Zwangsarbeit verrichten mussten, waren nicht notwendigerweise lebenslang daran gebunden.
Für unterschiedliche Phasen des 19. Jahrhunderts ist in Ägypten von mindestens 30.000 versklavten Personen auszugehen. Versklavte weiße Menschen stammten vor allem aus Griechenland sowie aus Regionen am Schwarzen Meer (e. g. Georgien, Armenien, Tscherkessien). Versklavte Schwarze Menschen wurden aus Darfur, dem Sudan, Bornu und Waday verschleppt. Fast alle Schichten der ägyptischen Gesellschaft setzten versklavte Schwarze Menschen als Hausangestellte ein. Schwarze Männer arbeiteten zudem als Soldaten und Landarbeiter, Schwarze Frauen vor allem auf Zucker- und Baumwollplantagen sowie in der Bewässerung. Mit der Anglo-Egyptian Slave Trade Convention bzw. Anglo-Egyptian Convention for the Abolition of Slavery wurde 1877 der Sklavenhandel mit dem Sudan offiziell verboten; 1884 folgte ein Verbot des Imports weißer Frauen, vor allem aus dem Kaukasus.